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Rezension „Fausto“ von Oliver Dierssen

15 Jul

Witziger Jugendroman über die Pubertät, die erste Liebe und einen pelzigen gefräßigen Bücherdämonen

Joseph Fittich, von allen nur Joschel genannt, ist ein ganz normaler 14-jähriger Teenager, der mit alltäglichen Teenagerproblemen zu kämpfen hat. Das wären: seine von seinem verhassten Vater abstehende Ohren, seine nervende Muttter Hanne, die erste Liebe, die Pubertät und das Hauptproblem: die Schule. Denn dort hat er die meisten Schwierigkeiten. Er schreibt durchwachsene Klassenarbeiten, seine Rechtschreibung ist miserabel, seine Noten liegen meist zwischen 4 und 5 und die meisten seiner Mitschüler kennen nicht einmal seinen Namen. Nicht einmal Canan, ein Mädchen aus seiner Klasse, die er aus der Ferne heimlich anhimmelt, die ihn aber nie wirklich bemerkt hat. Joschels Mutter Hanne ist abgedreht und verrückt, hält nichts von autoritären Erziehungsmethoden, Kochen etc. und lässt Joschel viele Freiheiten, während sie beinahe täglich Yoga, Lachyoga oder anderen sportlichen Aktivitäten nachgeht. So kann Joschel meist tun, was er möchte.

Joschels Leben ändert sich allerdings schlagartig, als Hanne eine ganze Ladung uralte Hefte aus dem Altpapier anschleppt, die er teilweise unter seinem Bett lagert und durch lautes Geschnarche und Geschmatze einen Bücherdämonen dazwischen entdeckt: Fausto Flamingo Esteban de Rioja. Ein kleiner pelziger, 4-äugiger schwarzer gefräßiger Bücherdämon mit einem Horn auf der Stirn, der eine seiner Hausaufsätze korrigiert hatte. Denn Fausto ernährt sich am liebsten von so richtig üblen Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Damit fangen Joschels Probleme allerdings erst so richtig an.

Anfangs ist Joschel für seine Mitschüler ein unbeachteter Loser und bald darauf ein Streber und hochbegabter Schüler dank Faustos Hilfe bei Aufsätzen und Klassenarbeiten, so dass auch Canan auf ihn aufmerksam wird. Doch dann nehmen die Ereignisse ihren Lauf. Es gibt Prügeleien, Entführungen, einen toten Bücherdämonen, Explosionen, überschwemmte Toiletten, erste Küsse,…

Joschel ist zu Beginn der Geschichte eher ein selbstsüchtiger und rücksichtsloser Antiheld, dem es nur darum geht, seine eigenen Ziele zu erreichen. Doch er verwandelte sich im Laufe der Zeit zu einem sympatischen Charakter, der für seine Freunde einsteht und mit ihnen durch dick und dünn geht, selbst, wenn er sich dabei auch öfter trottelig anstellt und ein Mädchen ihn retten/helfen muss.

Canan und Fausto waren mir von Anfang an sehr sympatisch. Fausto spricht von sich in einer dritten Person und hilft leidenschaftlich gern, verträgt Glückskekse nicht wirklich und liebt Rechtschreibfehler über alles. Fausto erscheint gar nicht wie ein gruseliger bösartiger Dämon, eher im Gegenteil: Fausto ist ein hilfsbereiter und liebenswerter, höflicher, ängstlicher und gefräßiger kleiner Kerl, den man einfach gern haben muss.

Canan`s Charakter gefiel mir sehr gut, da sie eine starke Frau darstellt, die ihre Ziele und ihren Weg kennt und dafür kämpft, wenn es sein muss.

Überrascht hat mich auch die charakterliche Wendung einiger Mitschüler der 9c, so dass die Geschichte an Ereignissen und Tempo zunahm und ich nur schwer das Buch aus den Händen legen konnte.

Die Gestaltung des Buches fand ich einfallsreich, erfrischend und vollkommen anders als gewohnt. Wer kommt bitte sonst auf die Idee einen alten Schulaufsatz korrigierter Weise auf das Cover zu drucken und einen kleinen rotäugigen Bücherdämonen erscheinen zu lassen?! Ich fand es sofort sympathisch, da man mit dieser Aufmachung sofort in die Schulzeit zurückversetzt wird. Auch all die Tintenkleckse und Zeichnungen innerhalb des Buches fand ich klasse, da wohl in jedem Hefter, Heft oder Buch eines jeden Schülers ähnliche Skizzen, Sprüche und Zeichnungen vorhanden sein dürften. Ich finde: Das passt!

„Fausto“ ist ein witziges und amüsantes Jugendbuch über die zentralen Themen eines Jugendlichen. Oliver Dierrsen versteht es sehr gut, die aufkommenden Teenagerprobleme wie die Schule, die erste Liebe, Pickel, Freundschaft, Außenseiter, Mobbing und Verlustängste in eine unterhaltsame und spannende Geschichte zu packen und diese mit viel Humor und Sarkasmus zu verpacken.

Mein Fazit

Dieses Buch ist ein gelungener unterhaltsamer Jugendroman, der einen an die eigene „schwere“ Schulzeit erinnert, bei dem man öfter schmunzelt, mitfiebert, mit bangt und hofft und sich letztendlich selbst einen Bücherdämonen zum Freund wünscht bzw. in der eigenen Schulzeit gewünscht hätte.

Aus diesem Grund gibt es von mir für dieses gelungene Werk von Oliver Dierssen 5/5 Herzen!

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (24. Januar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783453260016
  • ISBN-13: 978-3453260016
  • ASIN: 3453260015
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 4,2 cm

Ich bedanke mich bei Bücherkinder.de für die freundliche Bereitstellung dieses schönen Buches! Herzlichen Dank!

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